Mittwoch, 14. Dezember 2011

Kigali


Nach den entspannenden Tagen am Lake Bunyonyi gings dann frisch erholt in Richtung Rwanda. Die Busfahrt nach Kigali führt durch die Gebirgszüge und Täler im Norden des Landes. Man kann bereits auf den ersten Kilometern erkennen, dass Rwanda ein sehr entwickeltes Land ist. Die Straßen sind sehr gut ausgebaut, die Dörfer haben meist Häuser und bestehen weniger aus Lehmhütten und die Landschaft ist geprägt durch riesige Tee-und Kaffeeplantagen.
Die Hauptstadt Kigali kommt einem wie eine Parallelwelt zum übrigen Afrika vor. Die Stadt ist unglaublich sauber, hier werden täglich die Straßen gefegt und vom Müll (In ganz Rwanda sind Plastiktüten übrigens verboten!!!) befreit. Die Stadt ist generell vollkommen westernized und vermittelt ein durchaus bekanntes europäisches Gefühl. Es gibt Ampel, Verkehrsregeln (an die sich die meisten auch halten), Straßenbeleuchtungen, Verkehrsschilder und alle Boda-Bodas haben Helmpflicht.
Die schrecklichen Zeiten des Genozids erkennt man nicht im Ansatz wieder. Ob aus schlechtem Gewissen oder anderen Beweggründen, die Stadt ist Heimat für wohl sämtliche existierende westliche NGOs. Die Stadt beheimatet zudem auch alle Botschaften einflussreicher Länder der Welt und so komm ich mir als Weisser in Afrika zum erstenmal nicht ganz fremd vor, wenn ich durch die Straßen gehe. Kigali geht problemlos auch als europäische Großstadt durch. Man findet italienische, französische und mexikanische Restaurants, bekommt in vielen Cafes Latte Macchiato MIT Milchschaum und findet in den Supermärkten lauter bekannte Marken. Sucht man aber afrikanische Einflüsse sucht man lang vergeblich. Ein Gefühl in Afrika zu sein kommt aber nur auf, wenn man ausserhalb der Stadt ist, hinter die Kulissen in kleine Viertel am Stadtrand schaut, oder auf das Klima achtet.
Der Genozid, der die Jahrzehnte von 1962 bis in die frühen 1990er Jahre in Runada stattfand und im Frühjahr 1994 seinen Höhepunkt fand, kann man zwar sehr beispielhaft in Filmen wie Hotel Ruanda,  sehen, aber wenn man die Stadt Kigali betrachtet findet man auf den ersten Blick nichts von der schrecklichen Vergangenheit. Dennoch würdigen einige abgeschiedene Gedenkstätten die schrecklichen Geschehnisse der Vergangenheit. Am drastischsten zeigen verschiedene Kirchen in der Umgebung Kigalis mit welcher Brutalität in den Jahren damals vorgegangen wurde. Es wurde dabei vermieden die Spuren der Vergangenheit zu verwischen und so sieht man neben Blutverschmierten Wänden, zahllosen Kleidungsstücken auch hunderte von menschlichen Knochenresten an den Gedenkstätten.
Eine weniger drastische aber dennoch informative Darstellung der Geschehnisse konnte ich dann im offiziellen genocide memorial center in Kigali erleben. Hier werden den Besuchern die sämtliche Fakten und Hintergrundinformationen des Genozids in Form einer Ausstellung präsentiert.

Neben der historischen Last des Genozids, bietet die sich über mehrere Hügel erstreckende schöne Stadt mit ihrem westlichen Erscheinungsbild eine gemütliche Abwechslung vom übrigen hektischen Afrika. Ich werde hier ein paar Tage bleiben und dann einige ausgewählte Ecken von Ruanda besuchen bevors weiter nach Malawi geht…

















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