Mittwoch, 11. April 2012

Livingstone – oder auch das Fußballfest in Zambia


Nach interessanten und abwechslungsreichen Tagen in Lusaka ging mit dem wohl besten Bus Afrikas (Klimaanlage, Fernseher, Polstersitze, verstellbare Rückenlehne, Beinfreiheit, usw.) auf in Richtung Livingstone. Die Fahrt dorthin verlief durch die schon beschriebene vielfältige sambische Landschaft. Nach unerwartet entspannter Busfahrt sind wir dann im Städtchen Livingstone gelandet, welches mehr oder weniger vom Tourismus und der Lage als „gate to the vic falls“ dominiert wird. Neben unzähligen Hostels, Lodges, Bars und Restaurants hat die Stadt eigentlich wenig charmantes zu bieten und dient den Reiselustigen als Ausgangspunkt für Besichtigungen zu den Vic Falls.
Und genau aus diesem Grund waren auch wir hier. Haben uns hier dann eines der wirklich coolen Hostels genommen und einen POOL IN AFRIKA(!) genießen koennen. Dennoch gab es neben diesem und natürlich den Vic Falls (dazu im nächsten post) noch ein weiteres kleines Highlight zu erleben.

Da Fußballbegeisterte es sicherlich schon wissen :) werde ich es für die Normalsterblichen unter uns noch einmal wiederholen: Sambia ist überraschend zum ersten Mal Afrikas Fußball-Meister!!!
Der Außenseiter gewann im Endspiel in Libreville 8:7 im Elfmeterschießen gegen die favorisierte Elfenbeinküste mit Didier Drogba. Nach regulärer Spielzeit und Verlängerung stand es 0:0, wobei Drogba schon in der 70. Minute einen Foulelfmeter über das Tor schoss. Die Entscheidung im Elfmeterschießen fiel erst nach 18 (!) Schützen. Stoppila Sunzu war dabei der Matchwinner. Für Sambia war es im dritten Anlauf nach 1974 und 1994 der erste Triumph in einem Endspiel des Afrika-Cups. Die Elfenbeinküste verpasste dagegen wie schon vor sechs Jahren den zweiten Titelgewinn nach 1992.
Und wir konnten Sambia auf dem Weg durch das Turniers zum grandiosen Titelgewinn begleiten und die unglaublich tolle Stimmung der sambischen Fans miterleben. Selbstverständlich wurde man schnell von der Stimmung in den Bann gezogen und der Status eines neutralen Beobachters wurde zu einer heißblütigen Vuvuzela.
Sambia ist mit dem Sieg im Finale erstmals in seiner Fußball-Geschichte Afrika-Meister. Trainer, Spieler, Fans – ein ganzes Land sind im Fußballfieber. Wer die Euphorie der Menschen verstehen will, muss ganze 19 Jahre zurückblicken.
Denn nur so wird erklärt warum Sambia den Finalsieg 2012 in Libreville, der Hauptstadt Gabuns ganz außerordentlich feierte. Hier war 1993 eine Militär-Maschine mit der damaligen sambischen Nationalmannschaft abgehoben. Ziel war ein Flughafen im Senegal, wo in der Hauptstadt Dakar ein WM-Qualifikationsspiel anstand. Dort kam das Team nie an, da das Flugzeug vor der Küste Gabuns in den Ozean stürzte und alle 30 Insassen starben. Eine nationale Tragödie, welche die Menschen Sambias noch enger mit der Sportart Fußball verwachsen ließ. Tja und knapp 20 Jahre später feiert Sambia, nur wenige Kilometer vom damaligen Absturzpunkt entfernt, den größten Erfolg seiner Fußballgeschichte. Und ganz Afrika feiert, tanzt und singt mit. Und wir waren mitten drin!
„Ganz Sambia war nach dem Sieg über Ghana in Feierlaune. Menschenmengen marschierten singend und tanzend durch die Straßen, oft splitterfasernackt oder nur mit der sambischen Flagge bekleidet. In der sambischen Hauptstadt Lusaka kam es in der Nacht nach dem Halbfinale zu über 30 Verkehrsunfällen, die alle auf die Feierlichkeiten zurückzuführen waren.“ (Quelle:suite101football, some pics: AFP, AP, dapd)































Donnerstag, 5. April 2012

Lusaka


Nach den Erlebnissen dieser fantastischen Zugreise war es natürlich schwer alle kommenden Stationen objektiv zu bewerten. Aber dennoch: Lusaka hat es mir angetan. Die geschäftige Hauptstadt Zambias ist eine interessante Mischung aus dörflich erscheinenden gated communities, einem belebten central business district und riesigen, hektischen afrikanischen Märkten. Lusaka ist eine der sich am schnellsten entwickelnden Städte im südlichen Afrika und neben der University of Zambia auch Standort für die größten shopping malls des Landes. Wenn man die Innenstadt durchwandert, stößt man neben dem ersten KFC und Subway des Landes auf viele weitere bekannte Markenläden und Handelsketten. Angrenzend an das Innenstadtzentrum und rund um die Cairo Raod liegen die New City und Kamwala Märkte die insgesamt mehrere Blocks umfassen. Hier geht es im Gegensatz zum Central Business District sehr hektisch zu und man muss auf seine sieben Sachen gut aufpassen. Hier Fotos zu machen war eine echte Herausforderung, da der zambische Händler an sich eher extrem abgeneigt ist Fotos von sich und dem Markt schießen zu lassen. Zu kaufen allerdings gibt es hier wiederum alles. Und alles heißt auch ALLES, von Bekleidung, Schuhen, Unterwäsche, über Nähmaschinen, Stoffe, Kopierer, Drucker und Computer hin zu frisch (oder eben auch nicht!!!) geschlachteten Ziegen, Schweinen, Rindern und alle Teile davon, Obst Gemüse, etc, etc, etc… Tja und die Gegensätze der Stadt kann man um die Märkte herum auch erfahren. Denn hier liegen die wirklich armen und heruntergekommenen Teile der Stadt und heben sich deutlich gegenüber den gated communities und den innerstädtischen Bereichen ab. Hier herrscht wirklich Armut.
Lusaka ist in den vergangenen Jahren extrem gewachsen und durch die schnellvoranschreitende Urbanisierung des Umlandes wird die Stadt immer attraktiver für die Landbevölkerung als auch für Touristen. Lusaka ist ebenfalls Heimat für eine sehr große Gemeinschaft von ausländischen Arbeitskräften die v.a. in der Entwicklungshilfe, technischer Zusammenarbeit,  verschiedenen Botschaften oder diplomatischen Vertretungen, religiösen Einrichtungen oder NGOs arbeiten. Dies zeigt sich auch an einem sehr westlichen Einfluss auf Mode, Essen, Marken, etc.
Lusaka ist daher nicht nur auf Grund der geographischen Lage für ganz Zambia von zentraler Bedeutung. Hinzu kommt die strategisch gute Ausgangslage an der Kreuzung der sog. Great North Road and Great East Road, wichtigen Erschließungsachsen in Subsahara-Afrika.
Generell unterscheidet sich Zambia nicht nur in subtropischerer Vegetation und Klima vom Nachbarland Tansania, sondern ist auch wesentlich Infrastrukturell entwickelter. So zeigen sich sogar in kleineren Städtchen und Dörfern befestigte Straßen, gemauerte Häuser, Schulen, Versorgungsmöglichkeiten und öffentliche Einrichtungen. Zambias Entwicklung wurde schon seit langem weitgehend vom Kupfer bestimmt. Als das Land noch zur britischen Kolonie Rhodesien gehörte, flossen die Gewinne aus dem Kupferbergbau zwar ins Ausland, dennoch wurden hier schon erste Infrastrukturen errichtet. In den Jahren nach der Unabhängigkeit 1964 florierte die Wirtschaft. Die Exporteinnahmen finanzierten Straßen, Schulen und Krankenhäuser, etc. und sorgten für wirtschaftliche Aufschwung. Mit einer Kupferkrise in den 1970er stürzte das Land jedoch in eine tiefe Krise, von der es sich scheinbar bis heute noch nicht vollständig erholt hat. Extrem hohe HIV/AIDS Raten und ein durchschnittliche Lebenserwartung von 48 Jahren (2009) (afrikanischer Durchschnitt ist 55 Jahre) zeigen, dass gerade auf dem Land immer noch extrem schwierige Bedingungen herrschen.
Die Wirtschaft Zambias ist noch immer v.a. durch der Bergabau und die Verhüttung von Kupfer, Cobalt, Gold, Uran und Edelsteinen im Norden des Landes sowie im Copperbelt geprägt. Auch wenn der Kupferweltmarkt sich erholt hat und Zambia enormes Ressourcenpotenzial hat, zählt das Land immer noch zu einem der ärmsten der Welt und so ist auch der Anteil der in der Landwirtschaft tätigen Bevölkerung immer noch um die 80%! Aber man erkennt hier dennoch deutliche Unterschiede zu Tansania. Denn Zambia hat erstklassiges Agrarland und die Landwirtschaft wesentlich größer strukturiert ist. So begegnet man nicht selten riesigen von Maschinen bestellten Feldern was in Tansania beinahe nirgendwo zu sehen ist.